Berichte & Interviews

Alltagsrassismus am eigenen Leib!

 Hallo, könnten Sie sich vielleicht bitte einmal vorstellen?

 

 Ja hallo, ich bin der Ali Dogan und ich bin der erste Beigeordnete der Stadt Sankt Augustin. Speziell bin ich tätig im Bereich Schule, Soziales, Kultur und Sport.

 

Warum machen Sie denn genau diesen Job?

Weil ich es hochspannend finde, dass man in einer Stadt Veränderungen anstoßen kann. Ich mache den konkreten Job als Jugend- und Schuldezernent, weil mir diese Themen besonders wichtig sind. Ich bin schon sehr lange an den Themen Soziales, Schule und Integration interessiert. Ich finde es besonders wichtig, dass das Lehrangebot so aufgestellt ist, dass alle Kinder und Jugendlichen die möglichst beste Bildung bekommen.

 

Und wie lange machen Sie diesen Job schon?

Seit 2017 bin ich Beigeordneter und seit 2020 bin ich erster Beigeordneter.

 

Haben Sie schon Projekte zum Thema „Achtsamkeit“ durchgeführt oder sind welche in Planung?

Ja, wir haben das Projekt „8sam gegen Rassismus“ seit 2018 bei uns in der Stadt. Wir haben das ein bisschen ausgeweitet. Dazu haben wir verschiedene Projekte gemacht. Zum Beispiel haben wir zusammen mit dem Albert-Einstein-Gymnasium ein großes Graffiti namens „8sam on the Wall“ erstellt, was sehr gut sichtbar ist. Was uns auch sehr freut ist, dass es nicht von anderen beschmiert wird oder übersprüht wurde. Wir haben darüber hinaus jedes Jahr eine große Demokratie-Tagung, wo wir auch verschiedene Themen zum Rechtsextremismus und Antisemitismus beleuchten. Außerdem haben wir verschiedene Themen im Bereich von Islamischem Extremismus hier gehabt. Die Interkulturelle Woche haben wir in den letzten Jahren regelmäßig durchgeführt. Wir sind also sehr stark im Bereich unterwegs.

 

Haben Sie schon mal Diskriminierung an sich selber oder in Ihrem Umfeld erlebt?

Ja leider, und dass auch nicht nur einmal. Ich will euch mal ein Beispiel geben: Als ich in der Grundschule im letzten Jahrgang war, hatte ich mit Abstand das beste Zeugnis der Jahrgangsstufe und meine Klassenlehrerin, die eine sehr nette Lehrerin ist, hat mich dann unbewusst rassistisch beleidigt. Sie hat mich nämlich zur Seite genommen und hat meinen Eltern gesagt, dass sie es nicht empfehlen würde, mich aufs Gymnasium zu schicken, weil meine Eltern ja auch nicht so gut Deutsch können und sie mir deswegen nicht die Unterstützung geben können, die ich bräuchte. Dieses Erlebnis habe nicht nur ich gemacht. Ganz viele Studien zeigen, dass sehr viele Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund immer noch in unserem Schulsystem eine ähnliche Erfahrung haben und die Lehrer so etwas nicht mit Absicht machen. Mein Bruder hatte genau die gleiche Erfahrung gemacht und wurde damals als durchschnittlich guter Schüler auf die Hauptschule geschickt. Mittlerweile ist er Top-Manager und verdient das Fünffache von dem, was ich verdiene. Als kleiner Hinweis: Top Manager bedeutet, dass er Geschäftsführer eines großen Konzerns ist.

Mein Bruder ist sechs Jahre älter als ich und als er das früher gehört hatte, dass ich nicht aufs Gymnasium geschickt werden sollte, hat er bei der Schule Druck gemacht und diesen damit gedroht vor Gericht zu gehen, wenn ich nicht auf das Gymnasium geschickt werde.

Als ich dann also im Gymnasium war, in der ersten Deutschstunde, hat der Lehrer mich direkt in einen Deutsch-Förderkurs geschickt, ohne zu wissen, wie gut ich Deutsch sprechen kann. Als wir dann im Deutschförderkurs waren, haben wir ein Diktat geschrieben. Ich hatte bei diesem Diktat als einziger null Fehler. Dies ging noch fünf bis sechs weitere Förderstunden so, bis die Deutschlehrerin sagte, dass ich gar nicht in den Förderkurs gehöre.

Also zusammengefasst will ich damit sagen, dass man niemanden irgendwie verurteilen sollte, ohne ihn überhaupt zu kennen.

 

Haben Sie denn eine Idee, wie man achtsamer werden könnte?

Ja, in diesem konkreten Fall haben wir in Deutschland ja schon viel gemacht. Heute ist es ja auch so, dass viele Lehrer selber einen Migrationshintergrund haben und früher zu meiner Schulzeit, also so gegen 1992, als ich in der 4. Klasse war, hatte im Vergleich zu heute nur eine Lehrkraft von 1000 einen Migrationshintergrund. Und ich sage immer, man muss die Leute aufklären und ihnen das richtig erklären, denn die meisten Leute wissen gar nicht so genau, was sie falsch machen und sind deswegen unbewusst rassistisch oder anderes.

 

Das Interview mit Ali Dogan wurde geführt von Jonathan, Philipp und Ralf Rohrmoser-von Glasow

Noch fehlt die PS5!

Unsere Interviewpartner trafen wir im Jugendzentrum. Wir wurden nett begrüßt. Zu Beginn schauten wir uns die Räumlichkeiten an. Den Tanz-, Töpfer-, Band- und den Kreativraum. Später haben wir eine Tanzgruppe getroffen, die im Jugendzentrum an einem zweiwöchigen Dance-Workshop teilnehmen.

Die Teilnehmer der Tanzgruppe haben uns spontan einen Tanz vorgeführt. Im Anschluss standen uns Roland Kaisers und Ralf Ulrich, zwei coole Mitarbeiter aus dem Jugendzentrum zur Verfügung. Wir haben sie sofort gefragt, ob es eine PS5 gibt. Im Jugendzentrum aktuell haben sie noch keine, aber eine XBox Series X und eine PS4.

Wir wollten natürlich auch wissen, seit wann es das Jugendzentrum schon in Sankt Augustin gibt.

Das Jugendzentrum gibt es seit dem Sommer 1978 und wurde gerade erst wieder neu und behindertengerecht gebaut, da es aus Altersgründen abgerissen werden musste.

Wir wollten wissen, was man hier alles machen kann.  Kinder und Jugendliche können an Projekten teilnehmen, spielen, Musik hören, Darts und Billard spielen sowie verschiedene Sportangebote nutzen.

Es kommen Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis Anfang 20. Sie müssen sich nicht extra anmelden. Es ist eine offene Kinder- und Jugendeinrichtung. Grundsätzlich ist das Jugendzentrum von Montag bis Freitag, in der Zeit von 14.30 bis 20 Uhr geöffnet.

Kinder und Jugendliche können sich einbringen. Geplant ist ein Jugendcafé, was von einer Schülerfirma geleitet werden soll. Die Mitarbeiter des Jugendzentrums sind offen für neue Ideen und Wünsche. Dafür wird demnächst eine Wunschbox aufgestellt.

In regelmäßigen Abständen werden in Zukunft auch wieder Partys und Discoveranstaltungen angeboten.

„Warum gibt es eigentlich das Jugendzentrum“, wollte Arman wissen. „Weil es einfach ein wichtiger Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche ist und es Möglichkeiten gibt sich zu entfalten“, erfuhren wir von Roland.

 

Das Interview führten Karo, Arman, Fabio und Christina Jung sowie Kevin Peters.

Nachbarschaftshilfe aus dem Oval Office

 

Würden Sie sich bitte  vorstellen?

 

Ich bin  Helga Busch, ich bin 69 Jahre alt und die Vorsitzende der Stiftung Nachbarschaftshilfe. 

Mein Name ist Bruno Hartfelder, ich bin 66 Jahre alt und im Vorstand der Stiftung.  

 

Haben Sie auch Kinder?

 

Busch: Ja einen Sohn, er ist 50 Jahre alt.

Hartfelder: Ich habe zwei Kinder. Sie sind inzwischen 37 und 35 Jahre alt.

 

Wie läuft Ihre Arbeit während Corona?

 

Nicht so gut, weil man sich nicht treffen kann, nur in Videokonferenzen kann man sich sehen.

 

Macht Ihnen der Beruf Spaß?

 

Was wir hier machen ist nicht unser Beruf. Wir arbeiten  seit sechs Jahren ehrenamtlich und die Arbeit macht sehr viel Spaß.

Vom Beruf sind wir Schulsekretärin und Chemiker.

 

Wie sind Sie zur Ihrer Arbeit in der Stiftung gekommen?

Mich hat die Stiftung mit ihren mitmenschlichen Zielen sehr angesprochen. Gut ist, dass die Arbeit  einem guten Zweck dient und man Menschen unterstützen kann, die es schwerer haben.

 

Was wird in Ihrer Stiftung gemacht?

 

Wir helfen da, wo eine Anfrage vorliegt, wir können ja nicht immer wissen, wo Hilfe nötig ist.

In der Gutenbergschule z.B. haben wir über viele Jahre für zusätzliche Förderstunden Lehrer von außerhalb finanziert. Damit wollten wir den Jugendlichen zu einem besseren Abschluss verhelfen.

Zur Tafel haben wir ein interessantes Projekt in Ruppichteroth unterstützt. Weil die Geschäfte dort in dem ländlichen Gebiet weit auseinander liegen, können auf dem Weg die Lebensmittel verderben. So haben wir uns an der Anschaffung eines Kühlwagens beteiligt.

Im Seniorenheim Sankt Monika haben wir vor Jahren den Bau eines Pavillons unterstützt. Hier können die Bewohner und Bewohnerinnen draußen geschützt sitzen und Kaffee trinken.

In Kindergärten sorgen wir für Spielgeräte. Im Kinderheim Pauline von Mallinckrodt haben wir die Außenanlage zum Spielen kräftig unterstützt.

Wir unterstützen Kinder vor der Einschulung und auch in der Grundschule, damit sie gut lernen und sprechen können. In der Windecker Schule z.B. haben wir wie in der Gutenbergschule Kinder unterstützt, die Hilfe beim Lernen brauchten. Im Rhein-Sieg-Kreis bekommen alle I-Dötzchen, also Schulanfänger*innen, eine Broschüre zum Schulbeginn. Da haben wir uns an den Druckkosten beteiligt und am Ende steht ein Grußwort an die Eltern von unserer Stiftung.

 

 

Wo kommt das Geld her?

 

Die Stiftung selber verdient ja nichts, sie gibt nur Geld aus. Es heißt ja Stiftung Nachbarschaftshilfe.  Benutzte Sachen, die man nicht mehr braucht, aber noch in Ordnung sind,  werden zur Nachbarschaftshilfe gebracht, damit sie verkauft werden können. Das Geld aus dem Verkauf kommt zunächst an die Mitarbeiter für ihre Arbeit. Das übrig gebliebene Geld bekommt dann die Stiftung, die es weiter gibt an soziale Projekte, z.B. in Altenheimen, Kindergärten, die Tafel und so weiter.

Wir möchten ein Partizipationsbüro für Kinder und Jugendliche einrichten. Wie wichtig ist Ihnen die Mitbestimmung von jungen Leuten?

Uns ist sehr wichtig, Kinder stark zu machen, weil Kinder sind unsere Zukunft. Alles, was wir tun, ist ja für eine bessere und gerechte Zukunft. Wir wünschen den Kindern und Jugendlichen, dass Sie lernen, mit Informationen umzugehen und Fake News zu erkennen.

 

Das Gespräch führten Arman, Elin, Karin, Karo und Ute Stedtfeld

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Was ist eigentlich Partizipation?

Interview von Reporterworkshop Nico Germscheid

Stellen Sie sich bitte vor

Mein Name ist Nico Germscheid. Ich bin Fachdienstleiter im Fachdienst Jugendförderung.

Läuft Ihr Job mit Corona besser oder schlimmer?

Der Job läuft an sich mit Corona genauso wie vorher. Wir arbeiten mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Es macht immer Spaß. Aber wir haben gemerkt, dass es mit Corona viel zu tun gibt. Manchmal gab es vor der Pandemie mehr zu tun als mit Corona. Insgesamt macht es aber ohne den Virus mehr Spaß. Wir arbeiten ja im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen. Die Kinder sagen Bescheid, wenn es Spaß macht, wie im Kinder- und Jugendparlament zum Beispiel.

Was machen Sie in Ihrem Beruf?

Wir sind ja in der sozialen Arbeit. Sozialpädagogen arbeiten meistens mit Kindern und Jugendlichen, oft auch mit älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung. Die Arbeit mit Menschen steht also im Fokus.

Es soll hier im Jugendzentrum bald ein Partizipationsbüro geben. Was ist das?

Es geht um Beteiligung. Es soll einen Raum geben, den Kinder- und Jugendliche nutzen können, um sich zu beteiligen.

Und wieso heißt das Partizipationsbüro so?

Weil es nur Kinder und Jugendliche nutzen. Sie können sich dort treffen, Projekte und Maßnahmen planen und viele mehr.

Was wird hier für Kinder und Jugendliche gemacht?

Es ist kein normales Jugendzentrum, wie man es vielleicht kennt. Es ist ein multifunktionales Gebäude. Der Bereich Jugendzentrum ist dazu gedacht, Sachen zu machen, wo man Lust darauf hat und die einfach Spaß machen sollen. Man kann Musikunterricht nehmen, Töpfern, sich anders bei verschiedenen Kursen und Workshops austoben, oder auch einfach in die Kurse reinschnuppern, wenn man sich nicht fest anmelden will. Dann gibt es auch das Partizipationsbüro und den Stadtjugendring, der auch hier seine Büros hat.

Gibt es auch Hausbesuche, wenn es Probleme gibt?

Wenn wir beratend tätig sein können, dann würden wir auch im Notfall Hausbesuche machen. Oftmals leiten wir die Information aber auch an die Kollegen aus dem Fachbereich 5 weiter, die besser darin ausgebildet sind. Fachbereich 5 steht für Kinder, Jugend und Familie.

Das Jugendzentrum gibt es schon ganz lange. Das Jugendzentrum gab es, damit  Jugendliche keinen Quatsch machen. Es wird von  Mitarbeitern des Jugendzentrums geleitet, denen man Fragen stellen kann.

Wie lange gibt es das Jugendzentrum schon?

Das  Jugendzentrum in Sankt Augustin gibt es schon sehr lange, jetzt wurde es neu gebaut.

Haben Sie einen Oberchef?

Über mir ist erst der Fachbereichsleiter Dr. Marc Serafin, dann der Sozialdezernent Ali Dogan und darüber gibt es noch den Bürgermeister, Dr. Max Leitterstorf.

Was haben Sie in Ihrer Zukunft geplant?

Wir haben das Partizipationsbüro geplant. Wir wollen es mit Leben füllen. Es sollen Kinder und Jugendlichen kommen. Wir suchen immer neue Ideen von Jugendlichen. Wenn es nichts mehr zu tun gibt, dann fragen wir das Kinder- und Jugendparlament, die haben auch immer Wünsche, bei denen wir beteiligt sind und bei der Umsetzung mitwirken.

Wo kann man seine Wünsche äußern?

Man kann sie im Kinderparlament sagen. Oder man sagt es uns über Mail. Oder, was neu kommen soll, über Instagram.

Woher kommt das ganze Geld, für all das, was man neu baut?

Wir sind eine Kommune, wir sind eine Stadt und haben einen Haushalt zur Verfügung. Das heißt es gibt einen Topf voller Geld, und es gibt einen Kämmerer, der verteilt das Geld. Wir müssen jährlich sagen, wieviel Geld wir brauchen für die verschiedenen Bereiche. Der Kämmerer sagt dann Ja oder Nein dazu. Dieser Topf füllt sich aus Steuergeldern.

Das Interview haben Karo, Arman, Fabio und Christina Jung sowie Kevin Peters geführt.

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Das Kindeswohl an erster Stelle!

 

Sibylle Friedhofen ist Vorstandsvorsitzende des Kinderschutzbundes Sankt Augustin. Sie ist 70 Jahre alt, verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Als Kind wollte sie immer Lehrerin für Deutsch, Literatur und Geschichte werden. Sie wollte viel lernen und wissen. In der Natur zu sein, war ihr sehr wichtig. Schließlich hat sie sich für ein Studium zur Verwaltungsfachwirtin entschlossen. Später ließ sie sich auch zur Mediatorin und systemischen Beraterin ausbilden. 2002 ist sie dem Kinderschutzbund beigetreten, ab 2007 arbeitet sie als Vorsitzende.

 Ihre Arbeitstage sind sehr unterschiedlich und starten um 6.30 Uhr. E-Mails und SMS beantworten, telefonieren, Krankmeldungen entgegennehmen im Home-office - vor allen Dingen in der Coronazeit. In Zoom-Sitzungen konnte der regelmäßige Austausch mit den Kita -Leitungen, der Kommune, dem Vorstand und dem Landes-und Bundesverband weitergeführt werden.

In der Geschäftsstelle führt sie Einstellungsgespräche,  Verhandlungen und unterschreibt Verträge und Briefe. Begeistert sagt sie: „ Ich will die Welt friedlicher machen. Manchmal macht die Gesellschaft es den Kindern schwer. Ich möchte sozial sein, Kindern helfen und sie unterstützen.  Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und hält mich jung.“ Sie möchte Menschen motivieren und wertschätzen. Für Friedhofen ist es das größte Geschenk,wenn Kinder auf sie zugestürmt    kommen.

Wir haben sie gefragt, wofür sie sich besonders einsetzt: „ Mein Ziel ist es, Kindern Teilhabe zu ermöglichen, auf sie zu hören, sie stark, gesund und wahrhaftig zu machen, damit sie offen und wehrhaft bleiben und Nein sagen lernen. Sie müssen Wertschätzung erfahren und ernst genommen werden.“

 

Für Sibylle Friedhofen ist Kinderarbeit und Kindesmissbrauch ein No-Go. „Wir müssen Frauen stark machen und Kindern eine bessere Bildung ermöglichen. Leider ist die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz gescheitert.“ Wenn es um das Kindeswohl geht, wird sie aktiv. Unterstützung bekommt sie von der Anlauf-und Beratungsstelle. Dort arbeiten Birgit Hund-Heuser und Anja Brückner-Dürr. „ Wir sind alle eine große Familie, zusammen bauen wir Netzwerke auf und machen anderen Mut.“

Im Gespräch haben wir festgestellt, dass sie für die nächste Generation die Welt besser machen möchte. Ihre Botschaften lauten: „Denkt sozial! Setzt euch für andere ein! Seid ehrlich und wahrhaftig!  Schaut genau hin! Vertraut anderen Menschen! Holt euch Hilfe und lernt, gute und schlechte Gefühle zu unterscheiden! Und sagt auch mal NEIN!

Ich wünsche euch, dass die Welt friedlicher und gerechter wird! Stärkt und vertraut auch den Vätern und lasst sie an der Erziehung ihrer Kinder teilhaben! Ich wünsche mir mehr junge Männer in sozialen Berufen!“                                                                

 

 

 

 

Das Gespräch mit Sibylle Friedhofen führten Urvi, Malika und Ingrid Henning

 

 

Weitere Informationen gibt es unter: www.dksb-sankt-augustin.de

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Streetwork und 8sam sind nicht von einander zu trennen!

 

Hallo Frau Krieger, wir drei kommen von dem Reporterworkshop über 8same Themen. Vielleicht können sie sich am Anfang vorstellen, damit wir ein Bild von ihnen bekommen können.

 

Andrea Krieger

 

Ja, das kann ich gerne machen, ich heiße Andrea Krieger und arbeite seit Anfang 2020 als Streetworkerin hier in Sankt Augustin im Auftrag der Katholischen Jugendagentur Bonn. Vielleicht ein bisschen zur Geschichte: Vorher habe ich das Kulturcafé in Siegburg geleitet, in einem Jugendheim gearbeitet  und die  Mobile Jugendarbeit in Alfter aufgebaut, auch war ich Torwarttrainerin beim DFB. Zudem bin ich Zirkus- und Erlebnispädagogin, das hilft mir  sehr in meinem Beruf.

 

Was ist überhaupt ein Streetworker*in?

 

Andrea Krieger

 

Das ist Englisch und wenn man das eins zu eins übersetzt bedeutet das Straßenarbeiter.  Die richtige Bedeutung ist Straßensozialarbeiter.

 

Was machen Sie als Streetworkerin?

 

Ich bin ganz viel unterwegs auf ganz vielen Plätzen und wende mich an Jugendliche, manchmal werde ich aber auch zu bestimmten Plätzen oder Events eingeladen.

 

 

An wen richtet sich ihr Angebot?

 

An die 14- bis 27-Jährigen, aber die meisten sind so 17 bis 25. Für Jüngere mache ich eher Präventions-Angebote, wie z.B. Fußballtraining, um mit den Jüngeren ins Gespräch  zu kommen.  Ich nenne auch mal  die anderen Angebote Cliquen-Arbeit und Einzelfall-Hilfe.

 

Wie kann man Sie erreichen?

 

Wenn es Probleme gibt kann man mich sofort anrufen oder anschreiben. Ich habe so viele verschiedene Messengerdienste, dass ich wirklich erreichbar bin. Ich bin den ganzen Tag online  und wenn jemand mit mir in Kontakt getreten ist, dann vereinbaren wir einen Termin, der fast immer am gleichen Tag ist.

 

Wie handeln Sie in Problemfällen?

 

Wenn jemand an mich ran getreten ist und ein Problem hat, z.B. dass er unerwartet von zu  Hause raus geflogen ist, dann helfe ich ihm eine Bleibe zu finden und leite ihn ans Wohnungsamt weiter. Oder wenn jemand kein Geld hat, wende ich mich ans Jobcenter.

 

Nehmen Sie an 8samen Projekten teil?

 

8sam gehört zu Streetwork, man kann es einfach nicht trennen. Achtsam bin ich in allen Bereichen und es ist immer Thema.

Ich bin z.B. ganz gut im Gespräch mit  Susanne Massow von der Integrationshilfestelle, mir liegt aber das Thema Flüchtlinge besonders am Herzen. Ich bin im Austausch mit mehreren Flüchtlingsunterkünften.

Ich habe mich jetzt mehrmals weitergebildet, damit ich Probleme besser erkennen kann.

 

 

Engagieren Sie sich auch außerhalb Ihres Berufes in sozialen Bereichen?

 

Ja, ich bin ehrenamtlich Fußballtrainerin und bin auch in dem Fußballverband Mittelrhein im Ausschuss für Fußball in Schule und Kitas.

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

 

Das war eigentlich eine Entwicklung aus all meinen Berufen. Ich bin ganz zufällig in der Jugendarbeit gelandet, und sie hat mir so viel Spaß gemacht, da die Jugendlichen freiwillig zu mir kommen.

 

Wofür machen Sie es?

 

Damit Menschen mit Problemen dank Streetworkern eine Perspektive bekommen.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

 

Das Gute an meinem Beruf ist, dass  ich mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt trete. Ich glaube das die Verbindung zwischen mir und den Jugendlichen stimmt, weil ich relativ flott eine Verbindung aufbaue, ganz wichtig ist auch eine gute Beziehung.

 

Was war Ihr schönster Moment in Ihrem Berufsleben?

 

 

Ich hab einem Flüchtling geholfen, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, obwohl er fast keine Chance hatte.

 

Wie beeinflusst Corona Ihren Beruf?

 

Corona beeinflusst mich ziemlich, weil ich teilweise Listen für die Corona-Kontaktnachverfolgung aufnehmen muss, aber viele Leute wollen das nicht und bleiben lieber meinen Veranstaltungen fern als die Adresse aufzuschreiben.

 

Wie ist das mit Einzelgesprächen?

 

Einzelgespräche  und Cliquen aufsuchen sind aber weiterhin  zum Glück möglich.

 

Was vermissen Sie in der Corona Zeit am meisten?

 

Sich mit Freunden zu treffen einfach mehr Kontakte zu haben und das ich auch meinen Beruf richtig ausüben kann.

 

Das Interview mit Andrea Krieger führten Justus, Marouan, Younes und Christina Jung